Ratgeber
Betriebshaftpflicht für Gründer und Kleingewerbe
Wer ein Gewerbe anmeldet, egal ob im Haupt- oder Nebenerwerb, haftet ab dem ersten Auftrag für Schäden, die er anderen zufügt, als Einzelunternehmer auch mit dem Privatvermögen. Eine Betriebshaftpflicht sollte deshalb vor dem ersten Auftrag stehen. Wichtig sind eine vollständige Beschreibung der Tätigkeiten, eine solide Grunddeckung und ein Vertrag, der mit dem Betrieb wachsen kann.
Von Kosovar Spahiu, Versicherungsmakler · Stand:
Warum die Betriebshaftpflicht zur Gründung gehört
Ein Schaden im ersten Geschäftsjahr kann eine Gründung beenden, bevor sie richtig begonnen hat. Gründer haben selten Rücklagen, und als Einzelunternehmer haften Sie mit allem, was Sie besitzen. Ein Sturz eines Kunden, ein Wasserschaden nach Ihrer Arbeit, ein verlorener Generalschlüssel: Solche Fälle passieren Anfängern genauso wie erfahrenen Betrieben.
Hinzu kommt: Viele Auftraggeber, Hausverwaltungen und Vermieter verlangen einen Versicherungsnachweis. Ohne Betriebshaftpflicht bekommen Sie bestimmte Aufträge gar nicht erst.
Kleingewerbe, Nebengewerbe, Kleinunternehmer: was gilt?
Für die Haftung spielt es keine Rolle, wie groß Ihr Gewerbe ist. Die Begriffe bedeuten Folgendes:
- Kleingewerbe: ein Gewerbe, das wegen seiner geringen Größe nicht ins Handelsregister eingetragen werden muss.
- Nebengewerbe: ein Gewerbe neben einer Hauptbeschäftigung.
- Kleinunternehmer: eine Regelung im Umsatzsteuerrecht für Betriebe mit geringem Umsatz.
Alle drei haften für Schäden genauso wie ein großer Betrieb. Der kleinere Umfang wirkt sich aber auf den Beitrag aus, denn Umsatz und Mitarbeiterzahl fließen in die Berechnung ein.
Was beim ersten Vertrag wichtig ist
Diese Punkte sollten Gründer und Kleingewerbetreibende beachten:
- Alle Tätigkeiten angeben. Versichert ist in der Regel, was im Vertrag steht. Wer Hausmeisterdienste, Gartenpflege und Kleinreparaturen anbietet, sollte alle drei nennen.
- Auf die wichtigen Einschlüsse achten. Wer beim Kunden arbeitet, braucht meist Tätigkeitsschäden. Wer Schlüssel bekommt, braucht den Schlüsselverlust.
- Eine solide Deckungssumme wählen. Personenschäden werden nicht kleiner, weil der Betrieb klein ist. Mehr dazu in Welche Deckungssumme ist sinnvoll?
- Auf Flexibilität achten. Ein Vertrag, der Änderungen bei Umsatz, Personal und Tätigkeiten unkompliziert zulässt, erspart später den Wechsel.
- Die private Haftpflicht nicht mit der betrieblichen verwechseln. Die private Police deckt Ihr Gewerbe in der Regel nicht.
Was eine Betriebshaftpflicht für Gründer kostet
Für Gründer mit geringem Umsatz und überschaubarem Risiko ist die Betriebshaftpflicht meist gut bezahlbar. Der Beitrag hängt von Tätigkeit, Umsatz, Summe und Bausteinen ab. Welche Faktoren genau zählen, steht auf der Seite Was kostet eine Betriebshaftpflicht? Konkrete Beiträge nennen wir nach einem kurzen Gespräch auf Basis echter Angebote.
Typische Gründungen und ihre Risiken
Einige Branchen werden besonders häufig im Kleingewerbe oder Nebenerwerb gegründet. Branchenspezifische Hinweise gibt es zum Beispiel für Hausmeisterservices, Reinigungsfirmen und Schreiner und Tischler. Ob in Ihrem Beruf eine Versicherungspflicht besteht, klärt der Ratgeber Ist eine Betriebshaftpflicht Pflicht?
Häufige Fragen
Brauche ich als Kleinunternehmer im Sinne der Umsatzsteuer eine Betriebshaftpflicht?
Die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung hat mit der Haftung nichts zu tun. Auch mit kleinem Umsatz haften Sie für Schäden in voller Höhe. Ob eine Betriebshaftpflicht nötig ist, hängt von Ihrer Tätigkeit ab, nicht vom Umsatz.
Ich arbeite nebenberuflich. Reicht meine private Haftpflicht?
Nein. Die private Haftpflicht schließt Schäden aus gewerblicher oder freiberuflicher Tätigkeit in der Regel aus. Einige Privat-Tarife versichern sehr kleine Nebentätigkeiten mit, oft mit engen Grenzen. Für ein angemeldetes Gewerbe mit Kundenkontakt brauchen Sie meist eine eigene Betriebshaftpflicht.
Ab wann sollte der Vertrag beginnen?
Spätestens mit dem ersten Auftrag, besser schon ab Gewerbeanmeldung. Schäden, die vor Vertragsbeginn verursacht wurden, sind nicht versichert.